Netzneutralität ist ein Begriff mit dem sich nur weniger Nutzer auseinandersetzten, der uns aber doch alle betrifft! Prinzipiell bedeutet Netzneutralität, dass jedes Paket im Internet gleich behandelt wird. Soweit so gut, aber was bedeutet das?
Der Postvergleich: Der Upload, der Carrier und der Download – oder – der Briefkasten, die Kuriere und das Postfach
Man kann sich das in etwa so vorstellen:
Wenn man ein Internetseite aufruft – also zum Beispiel diesen kleinen Blog- dann verpackt der Computer (Server genannt) diesen Artikel in viele kleine Datenpäckchen, adressiert diese an den Nutzer und übergibt sie an das nächstgrößere Netzwerk, auch Uplink genannt. Zieht man einen Vergleich mit der regulären Post, würde dieser Artikel also in kleine Teile zerschnipselt, einzeln kuvertiert und die vielen Briefe zum Briefkasten (Uplink) getragen werde.
Danach laufen die Pakete (Briefe) über verschiedene Strecken zum Internetanbieter des Lesers, der dann über seine (meist) DSL Verbindung diese Datenpakete herunterlädt. Im Post-Beispiel würden also viele verschiedene Fahrer die Briefe einzeln (teilweise mit langwierige Umwege) an das Postfach des Lesers im örtlich Postamt transportieren. Dieser muss dann noch im Postamt seine Briefe abholen und zu Hause die Schnipsel wieder zusammenfügen… In der Realität nimmt der Browser, also Firefox oder Opera, einem diese Fleißarbeit ab.
Das gut an dem Postbeispiel, ist das man -wie in der Realität- drei Phasen ausmachen kann: Den Upload (das Einwerfen in den Briefkasten), den Carrier (die vielen Kurierfahrer) und den Download (das abholen aus dem Postfach). Für den ersten Teil bezahlt der Webmaster und bestimmt darüber auch wie schnell (oder wie oft) “jemand zum Briefkasten geht“, den Download bezahlt der Leser in dem er unterschiedlich viel Geld für seine Bandbreiten an seinen Internetanbieter bezahlt. Von beiden Beträgen werden nun auch die Kurierfahrer (Carrier) für ihre Mühen entlohnt.
Sobald die Briefe also auf dem Weg sind, gibt es quasi keine Unterschiede mehr.
Dieser -nur auf den ersten Blick- komplizierte Vorgang (Upload->Carrier->Download) läuft bei jeglicher Kommunikation im Internet ab, also ganz egal ob man Webseiten liest, E-Mails abfragt, Videos anschaut oder über’s Internet telefoniert. Es ist immer der gleich dreistufige Ablauf.
Die Netzneutralität versteckt sich nun hauptsächlich im mittleren Bereich dem Carrier-Dienst.
Bei der Post, geht man davon aus, dass jeder Brief den man in den Briefkasten eingeworfen hat, gleich schnell transportiert wird und es keine Unterschiede gibt ob der Brief von der Oma oder der Deutschen Bank verschickt wird. So ist es zurzeit auch im Internet; der Carrier behandelt jedes Datenpaket gleich unabhängig vom Inhalt, er verhält sich also neutral gegenüber dem Inhalt und dem Absende. Zu gut deutsch werden Pakete die Zeitungsartikel enthalten genauso schnell transportiert, wie Google Suchergebnisse oder die privaten Bilder vom süßen Sohn der besten Freunde… Sobald die Briefe also auf dem Weg sind, gibt es quasi keine Unterschiede mehr.
Die großen Carrier (Verizon in der USA oder auch die deutsche Telekom ) würden das nun gerne ändern! Konkret würden die Netzanbieter sich gerne den bevorzugten Transport von bestimmten Datenpaketen von den großen Internetfirmen bezahlen lassen.
Das würde zum Beispiel ermöglichen, dass Googles Videoportal Youtube verzögerungsfrei startet, während das auf die eigene Homepage gestellt Hochzeitsvideo erst ein paar Sekunden laden muss, alleine deswegen weil z.B. Google ein paar Millionen aus seiner Portokasse an z.B. die Telekom für den bevorzugten Transport in deren Netzen bezahlt hat…
Oder E-Mails mit GMX sofort ankommen, solche über web.de aber erst verzögert …
Oder Bild-Artikel schneller ausgeliefert werden als solche der ZEIT …
Oder Internettelefonie über Skype gut funktioniert solche über Sipgate aber nicht …
Oder… Oder… Oder…
Die Liste der Effekte auf die Nutzer und die Anbieter von Inhalten im Internet ist schier endlos.
Vordergründig geht es um ein effizientere Nutzung der der Ressourcen, damit auch in Zukunft das Netz trotz steigender Beliebtheit noch zügig funktioniert. Das zügig würde dann wohl aber nur noch für die bezahlenden Webinhalte gelten! Mit größerer Wahrscheinlichkeit geht es also eher um höhere Gewinne als um ein “effizienteres Internet”.
Nicht zu vernachlässigen ist der Sachverhalt, das für diese bevorzugte Behandlung erst neue Strukturen bei den Carrier geschaffen werden müssen, die diese Sortierung möglich machen… Leider können diese Strukturen dann für sämtlich Filterung genutzt werden, quasi eine Infrastruktur für Zensur… sicher davon sind wir noch entfernt, aber warum es erst soweit kommen lassen?
Die Nutzer haben gar nichts davon
Was haben wir – die Nutzer – und wir -die Anbieter- von der Aufgabe der Netzneutralität? Gar nichts! Im Zweifelsfall werden einige reiche und/oder kostenpflichtigen Angebote bevorzugt transportiert, während kostenfreie Angebote benachteiligt werden. Nur zur Erinnerung: Freiwillige Projekte wie zum Beispiel die frei Enzyklopädie Wikipedia oder der kostenlose Browser Firefox, würden sich eine Bevorzugung ihrer Inhalte sicherlich nicht leisten können.
Unterzeichne auf Pro-Netzneutralität!
Aus diesem Grund unterstütze ich die Forderung der gesetzliche Verankerung der Netzneutralität der Initiative ”Pro Netzneutralität” und hoffe mit diesem Artikel möglichst viele weitere Unterstützer gefunden zu haben!
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